County Antrim

Die Nordküste der nordirischen Grafschaft Antrim gilt nicht von ungefähr als einer der dramatischsten Küstenabschnitte Europas und ganz nebenbei sicher auch als einer der farbenfrohsten.

Zwar fehlen auch sandige Buchten und kleine, verträumte Häfen nicht, aber im Wesentlichen wird das Landschaftsbild von hoch aufragenden Klippen aus rotem Sandstein, weißer Kreide, schwarzem Basalt und blauem Lehm bestimmt.

Der Nordosten der Grünen Insel ist aber auch für seine Riesen, Gespenster und Geister bekannt, deren schauriges Klagen durch den Seedunst ans Ohr zu klingen scheint. Größter Besuchermagnet an der Antrim Coast ist der grandiose Giant’s Causeway, der unlängst von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben wurde. Die Iren selbst bezeichnen das ständig von Wellen umspülte Relikt aus prähistorischer Zeit als das 8. Weltwunder.

Das einzige irische Naturdenkmal entstand vor rund 60 Millionen Jahren durch eine vulkanische Eruption der Erdkruste, deren Spuren sich von der Küste Antrims bis zu den vor Schottland gelegenen Inneren Hebriden nachweisen lassen. Dabei wurde entlang einer Bruchstelle westlich von Schottland und nordöstlich von Irland eine große Menge flüssiger Lava an die Oberfläche geschleudert.

Die auskühlende Lava erstarrte zu den bemerkenswerten und bizarren Gesteinsformationen, wie sie am Giant´s Causeway, aber auch auf der Hebrideninsel Staffa zu finden sind. Die meisten der rund 37.000 Basaltsäulen sind sechseckig und im Schnitt 30 Zentimeter breit. Einige haben aber auch vier, fünf, sieben oder acht Seiten.

Nicht weit vom Giant’s Causeway entfernt liegen die beeindruckenden Ruinen von Dunluce Castle. Um 1300 wurde die Burg auf einem steil abfallenden, durch einen tiefen Graben vom Festland getrennten Felsen von Richard de Burgh errichtet. 1584 eroberte Sorley Boy MacDonnel die Festung, nachdem er die dortigen Bediensteten bestach, damit diese seine Männer in einem Korb die steile Klippe hinaufzogen.

Über Jahrzehnte war die Burg fortan das Machtzentrum der MacDonnels, bis im Jahre 1639 ein Sturm die Schlafkammer der Dienerschaft und die Küche mitsamt dem Personal in die Tiefe riss. Der Sage nach waren es jedoch Meerjungfrauen, die den Gebäudeteil zum Einsturz brachten. Sie nutzten eine Höhle am Fuße des Felsen als Schlafplatz und fühlten sich in ihrer Nachtruhe gestört.

Video: Antrim Coast

Eine weitere Topattraktion in Nordirland befindet sich in Bushmills. Der kleine Ort gilt als Heimat des Uisce Beatha, des „Wassers des Lebens”. Die gleichnamige Destillerie produziert hier seit mehr als 400 Jahren einen der feinsten Single Malt Whiskeys überhaupt. Damit ist Bushmills nachweislich die älteste Brennerei der Welt.

Historischen Zeugnissen zu Folge reichen die Wurzeln bis in das 13. Jahrhundert zurück, gleichwohl gingen noch fast vier Jahrhunderte ins Land, ehe Bushmills 1608 die erste offizielle Lizenz weltweit zugesprochen bekam. Heute wie damals erfolgt die Herstellung des Irish Whiskey bis ins kleinste Detail mit exakt den gleichen Zutaten und exakt den gleichen Produktionsschritten.

Daneben Antrim hat noch zahlreiche weitere Attraktionen zu bieten. So etwa den Mussenden Temple, der zwischen 1783 und 1785 von Frederick Hervey, dem 4. Earl of Bristol, auf der windigen Landspitze hoch über dem Meer westlich von Castlerock erbaut wurde. Als wolle er den Elementen trotzen, wählte der Exzentriker für den kleinen Rundbau, den er als Sommerbibliothek nutzte, den riskanten Standort am Rande der Klippen.

Direkt unterhalb des Rundbaus liegt Downhill Strand, wo der Bischof dem Vernehmen nach Pferderennen veranstaltete. Den teilnehmenden Geistlichen winkten dabei Pfarreien als lukratives „Preisgeld”. Landeinwärts ist die Ruine von Downhill House, dem Landsitz des Geistlichen, zu sehen. Auch ein Mauergarten, ein Taubenschlag, ein Eiskeller sowie das Lion Gate mit dem Wappentier des Bischofs befinden sich dort.

Überaus spektakulär mutet auch die Hängebrücke von Carrick-a-Rede an. Nur während der Lachs Fangsaison zwischen April und Ende September ist die Schwindel erregende Seilkonstruktion zu bestaunen. Vom Klippenrand verbindet die klapperige Holzbrücke die vorgelagerte Basaltinsel. Der Name bedeutet „Fels auf der Straße”. Gemeint ist die Straße der Lachse, die auf ihrem Weg zu den Laichplätzen dem Fels seitlich ausweichen müssen und den Fischern ins Netz gehen.

Die Brücke, ein beängstigendes Gewirr aus Seilen und Brettern, hat bei einer Breite von nur einem Meter eine Spannweite von 20 Metern und verbindet das Festland in Höhe von 30 Metern mit der vorgelagerten Insel.

Lohnend ist auch ein Abstecher nach Cushendall, der Hauptstadt der Täler. Sehenswert ist hier der Curfew Tower aus dem 19. Jahrhundert. Der Layde Graveyard soll die älteste historische Stätte in den Glens of Antrim sein. Überragt wird Cushendall vom Tieveragh, einem Bergzug, in dem Feen und ihre Verwandten zu Hause sind. An einem mit Blumen bewachsenen Hang am Tievebulliagh oberhalb des Flusses Glenaan avanciert ein eher unscheinbar wirkendes neolithisches Grab zum Besuchermagneten.

Angeblich traf Ossian, seines Zeichens Dichter und Krieger, nach seiner Rückkehr aus dem fabelhaften Königreich Tir na nOg, dem Land der ewigen Jugend, den Heiligen Patrick, der ihn prompt zum christlichen Glauben bekehren wollte. Ossian jedoch blieb in seinem Glauben den alten Göttern verbunden und starb unbekehrt.

Nicht verpassen sollten Naturfreunde zudem Rathlin Island. Die L-förmige Insel erstreckt sich von West nach Ost über acht Kilometer, von Nord nach Süd misst sie knapp fünf Kilometer. Die gerade einmal 70 Insulaner – vor der Großen Hungersnot waren es 1.200 – leben allein vom Fischfang, etwas Landwirtschaft und dem eher spärlichen Tourismus. Die Besucherströme kanalisieren sich hauptsächlich Richtung Kebble Cliffs National Nature Reserve am westlichen Ende des Eilands, wo zwischen April und Juni 250.000 Vögel nisten. Darunter Lunde, Seetaucher, Eissturmvögel, Dreizehenmöwen und Tordalks.

Bekannt ist die charmante Insel durch die vermeintlich magische Wirkung des dort wachsenden Klees. Der Sage nach soll derjenige, der sich zerstoßenen Klee über die Augen reibt, eine Feen-Insel zwischen Rathlin Island und dem Festland sehen können. Ein Effekt, der dem Volksmund nach auch mit dem einen oder anderen Pint of Guinness zu viel erzielt werden kann.

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