Dinge, die aus Irland verschwunden sind

Irland ist ein Land voller Innovationskraft. Keineswegs ist die grüne Insel in einem Dornröschenschlaf gefangen, zum reinen Schauobjekt an Europas Westrand verkommen.

Im Gegenteil: Im 20. Jahrhundert holte Irland rapide auf, überholte sogar Teile Westeuropas (Stichwort „Celtic Tiger“), und in den letzten Jahren stoppte dieser Trend trotz Wirtschaftskrise nicht.

Was dabei auf der Strecke blieb, das ist das oft gesuchte „alte, traditionelle Irland“, das zumindest einen Teil der Besucher anlockt. Die ländliche Idylle, aber auch so manches Negative.

Wer heute mit dem „Irischen Tagebuch“ des Heinrich Böll anreist, der wird oft entsetzt feststellen, dass die mehr als sechzig Jahre alten Notizen des deutschen Nobelpreisträgers hoffnungslos veraltet sind. Generell mag zwar noch die eine oder andere Beobachtung im Kern stimmen, das Haltbarkeitsdatum seiner Beschreibungen aber ist schon lange abgelaufen. Und auch andere Irland-Klischees hat der Zahn der Zeit nicht nur angenagt, einige hat er sogar abgebissen und weggespuckt.

Die „Dubliners“

DIE EINST ALS „Ronnie Drew Ballett Group“ fehlerhaft angekündigte Truppe gilt als das Urgestein des populären Irish Folk, den Spagat zwischen Schlager und Trad schaffend, ebenso wie zwischen Rebel Songs und Anti-Kriegs-Liedern. Viele Jahre waren die bärtigen Mannen jedoch nur noch eine Art Tribute Band, ein schwacher Schatten alter Größe. Das lang vor allem am natürlichen Schwund – von den Grün-dungsmitgliedern Luke Kelly, Ciáran Burke, Ronnie Drew und Barney McKenna ist keiner mehr am Leben, sie starben 1984, 1988, 2008 und 2012.

Und mit dem Tod McKennas wurde dann auch endlich der Name „The Dubliners“ endlich zu Grabe getragen. Im Prinzip existierte die Gruppe ja schon seit 1995 nicht mehr, damals hatte man mit Kelly und Drew die markanten Stimmen verloren, wurde aber mit neuem Blut künstlich am Leben gehalten. Die besten Aufnahmen der Dubliners sind ohnehin vor 1983 geschnitten worden, noch mit Luke Kelly und dem unverwüstlichen John Sheahan. Wobei Kenner auch die Platten mit Jim Mc-Cann schätzen, der zwischen 1974 und 1979 Reibei-senstimme Ronnie Drew ersetzte.

Individuelle Buchläden

IRLAND LOBT SICH selbst über den grünen Klee angesichts gleich vierer Nobelpreise in Sachen Literatur, und Dublin ist sogar als UNESCO-Literaturstadt anerkannt. Wenn es aber um das Bücher kaufen geht, dann ist eher Trübsinn angesagt. Allein in der Haupt-stadt haben die kleinen, individuellen Buchläden, einer nach dem anderen, den Löffel gereicht. Wurden entweder in die Kette Eason übernommen, und so gnadenlos dem Mainstream von James Patterson und Cecilia Ahern angepasst, oder ihre Räumlichkeiten beherbergen jetzt Boutiquen.

Überleben konnten nur wenige Spezialisten, sowie Hodges-Figges (als Teil der britischen Waterstones-Gruppe) und Chapters (Irlands größter „Unabhängiger“ überhaupt). Auf dem Lande sieht es noch schlimmer aus, denn allenfalls Eason kann noch, Dank Mischsortiment und Schulbuch, gegen den Internethandel anstinken. Tragisch? Vielleicht nicht unbedingt, denn viele Buchhändler hatten sich allzu gut auf den inflationären Preisen ausgeruht, und das Sortiment rein nach Bestsellerliste gepflegt. Den örtlichen Klein- und Selbstverlagen, den Nischenthemen, denen waren sie schon lange abgeneigt.

Long Kesh

ÜBER JAHRE hinweg war Long Kesh der Inbegriff der „bösen Briten“ ... das Long Kesh Detention Centre (oder auch Her Majesty’s Prison Maze) auf einem alten Militärflugplatz nahe Lisburn. Hier wurden nationa-listische und loyalistische Gefangene untergebracht, in den berüchtigten „H-Blocks“, hier entstanden die „Blanket Men“ (die als „politische Häftlinge“ Gefängniskleidung verweigerten) und der „Dirt Protest“. Hier schließlich gingen 1981 insgesamt zehn Gefangene aus den Reihen der IRA und INLA in den kollektiven Suizid durch Nahrungsverweigerung.

Im Rahmen des Friedensprozesses wurde das Gefängnis Maze dann im Jahr 2000 außer Dienst gestellt, Reste von ihm aber stehen noch da, stehen sogar teilweise unter Denkmalschutz. Daneben aber blühen zarte Pflanzen des Friedens – die Ulster Aviation Society hat in zwei alten Hangars ihre stattliche Sammlung historischen Fluggerätes untergebracht, an anderer Stelle ist ein Messe- und Ausstellungszentrum entstanden. Den besten Beleg für ein modernes, friedlicheres Nordirland findet man jedoch direkt hinter den Torgebäuden, denn seit 2017 startet hier die Air Ambulance Northern Ireland mit ihrem Notarzt-besetzten Rettungshubschrauber.

Karfreitag ohne Alkohol

SAH MAN endlich ein, dass der Karfreitag den meisten Menschen in Irland schon lange nicht mehr so wichtig war, dass sie in bitterer Buße den ganzen Tag dahin darben wollten. Hamsterkäufe in Off Licenses (gerne auch im billigeren Norden) am Gründonnerstag und eine verzweifelte Suche nach einem Platz in einem der wenigen Etablissements, die legal Schnaps und Bier ausschenken durften (für Reisende) waren längst zum Witz geworden. Dessen Pointe nur eine einzige war: Irland und die Iren wollten selbst am Tag der Kreuzigung nicht auf den guten Tropfen verzichten. Nur das Gesetz konnte sie (fast) dazu zwingen.

Irgendwann aber sah man dann doch ein, dass die Pubwirte den Tag finanziell abschreiben konnten, und dass vielen Touristen gar nicht feierlich zu Mute war, wenn ihnen am langen Osterwochenende das geliebte Guinness immer ein Viertel der Zeit vorenthalten wurde. Von einem Staat, der sonst Ladenöffnungszeiten rund um die Uhr als unproblematisch ansieht, auch an Feiertagen. Also beschloss man im Januar 2018, den Alkohol-Bann am Karfreitag zu kippen. Auf das Iren und Gäste auch dann einen kippen können.

Langstrecken ohne Ende

EINE FAHRT VON Cavan nach Cork war noch vor wenigen Jahren eine unwillkommene Meditation zum Thema „Wegweiser“, „Straßenzustand“ und „Geduld“. Wobei Meditation vielleicht das falsche Wort für einen Zustand ist, in dem sich der Fahrer langsam dem Herzinfarkt nähert, weil es schlicht nicht voran geht. Oder weil die Ausschilderung zu interessanten Alternativrouten führt.

Oder einem ein Schlagloch gleich den Vorderreifen von der Achse reißt. Denn das hat sich in den Zeiten des Celtic Tiger tatsächlich gebessert, der Straßenbau wurde auch noch zur Hintergrundmusik seines letzten Röchelns fortgesetzt, angefangene Projekte trotz knapper Kassen beendet. So zieht sich denn heute ein, wenn nicht hypermodernes, dann doch zumindest brauchbares, Autobahn- und Fernstraßennetz durch das Land. Teilweise Mautpflichtig, was erstmal wieder zu großem Aufstöhnen und sinnlosen Vermeidungsstrategien führte. Aber so richtig missen tut niemand mehr die alten, verwundenen Wege, die einem viel Zeit und oft genug auch den letzten Nerv raubten. Niemand?

Nun ja, es gibt da eine gewisse Spezies von Nostalgikern, Touristen genannt, die es gar nicht so toll finden, wenn man heute vom Dublin Airport per Autobahn binnen zweieinhalb Stunden in Galway ist. Da fehlen doch die ganzen netten Dörfer und Städtchen, durch die man früher noch fuhr. Die von Abgasen und Feinstaub befreiten Bewohner eben dieser Siedlungen denken da schon anders ...

Magdalenen-Heime

WER KEIN BRAVES Mädchen war, kam in die Hölle ... in Irland in die Hölle auf Erden, denn anders konnte man die Magdalenen-Heime (benannt nach Maria Magdalena, der reuigen Prostituierten, oder Gattin Jesu Christi, je nach Lesart) wirklich nicht nennen. Sie waren die bevorzugte Unterbringung für Gestrauchelte, Gefallene und andere schwierige Fälle.

Vor allem auch junge Mütter, bei denen die außereheliche Schwangerschaft nicht so ganz in eine streng christliche Biographie passte. Und damit sie sich für die „Barmherzigkeit“ der Nonnen erkenntlich zeigen konnten, wurden sie zu gottesfürchtiger Fronarbeit etwa in den Wäschereien angehalten. Sklavenarbeit, von der die Kirche reichlich profitierte, und die erst Ende des 20. Jahrhunderts in das Bewusstsein der breiten Bevölkerung eindrang.

Was heute so gut wie verdrängt wird – die Mädchen und Frauen in den Magdalenen-Heimen waren keineswegs „damals“ im Sinne von etwa der Sklaverei in den USA weggesperrt. Im Gegenteil: Irlands letztes Magdalenen-Heim, in Waterford City, wurde erst 1996 geschlossen. Und in Dublin harrt auch noch 2018 in der Sean McDermott Street ein komplettes Magdalenen-Heim der Wiederverwendung.

Bier-Langeweile

HEFTIGER TREND in Irland ist die Rückbesinnung auf alte Werte, wenn es um Bier geht. Man will nicht mehr unbedingt die Massenware von Guinness, oder gar die Import-Plörre aus Großbritannien, Kontinentaleuropa, oder gar den USA. Bier soll (nicht nur in Hipster Kreisen) möglichst ordentlich „handgemacht“ sein. Craft Beer umschmeichelt heute den Gaumen des etwas anspruchsvolleren Trinkers, erobert die Lokale wie auch (in noch größerem Maße) die Off Licenses.

Ob nun rein regional oder sogar national im Vertrieb, das bestimmen Hersteller und der jeweilige Bekanntheitsgrad. Exoten wie die feinen, etwas trüben Biere der nordirischen Lacada-Kooperative findet man nur selten, weit verbreitet dagegen sind die Biere von McGargle. Dazwischen gibt es zahlreiche Varianten, die man gelegentlich mit der Lupe suchen muss, deren Auffinden aber meist eine positive Überraschung mit sich bringt.

Craft Beer bietet nämlich wesentlich interessantere Geschmackserlebnisse als die bekannte Massenware. Und das mit teilweise exotischen Zutaten (ein amtliches Reinheitsgebot gibt es schließlich nicht), wobei allerdings die traditionellen Favoriten wie Amber Ale, Blonde oder auch IPA ziemlich weit vorne liegen, gefolgt vom unvermeidlichen Stout. Und, vor allem um die Herbst- und Weihnachtszeit, saisonal „gewürzten“ Sorten. Einfach ausprobieren.

Todesstrafe

ES MAG VOR ALLEN Deutschen, die mit dem Grundge-setz aufgewachsen sind (Artikel 102 – „Die Todesstrafe ist abgeschafft.“), merkwürdig erscheinen ... aber im idyllischen Irland wurde die Bestrafung mit dem Tode erst 1990 abgeschafft. Vor allem auf Betreiben der Progressive Democrats, und oft gegen den Widerstand des Establishment.

Immerhin hatte man ja noch 1985 zwei Mitglieder der INLA zum Tode verurteilt, das aber dann aus Gnade durch nur lebenslange Haft ersetzt. Die letzte Hinrichtung fand im April 1954 statt, der verurteilte Vergewaltiger und Mörder Michael Manning wurde in Mountjoy Prison am Galgen aufgehängt. Durch den englischen Henker Albert Pierrepoint, den die irischen Behörden extra anheuerten.

Verhütungs- und Scheidungsverbote

EIN GERÜCHT, das sich hartnäckig hält, ist die angebliche Unbeleckheit der Grünen Insel von modernen Verhütungsmethoden – immer wieder heißt es auch heute noch, dass die katholische Kirche so mächtig sei, dass der Coitus Interruptus das einzige probate Mittel sei, wenn es denn überhaupt in irischen Betten intim wird. Stimmt schon lange nicht mehr. Was stimmt: Im Jahr 1935 machte es der irische Staat illegal, Verhütungsmittel zu verkaufen oder zu importieren. Was man formaljuristisch umgehen konnte, denn die Verwendung selber war ja kein Delikt.

Als dann 1971 eine gewisse Mary Robinson (die spätere Präsidentin) einen Gesetzentwurf zur Liberalisierung der Geburtenregelung vorlegen wollte, wurde dieser nicht einmal im Parlament diskutiert. Erst ab 1980 wurde das Kondom auf Rezept erhältlich, 1985 entfiel auch diese Rezeptpflicht (für Erwachsene zumindest). Und heute?

Die Pille ist auf Rezept zu bekommen, Kondome kann man in fast jedem Supermarkt kaufen, selbst für die „Pille danach“ braucht man nur kurz mit dem Apotheker reden. Das Scheidungsverbot dagegen hielt sich in Irland länger, 1937 wurde es Teil der Verfassung, 1986 lehnte eine Volksabstimmung Scheidung immer noch entschieden ab. Erst 1997 wurde, nach einer weiteren (und äußerst knappen) Volksabstimmung die Ehescheidung legal. Das Konkubinat war es vorher schon.

Soldaten auf den Straßen

WENN MAN AN Nordirland denkt, dann geht in manchen Leuten noch immer das martialische Kopfkino ab ... komplett mit schwerbewaffneten Soldaten auf Patrouille durch die Straßen. Kabul mit mehr Regen, sozusagen. Tatsächlich wird man etwa in Florenz oder Paris mehr Militär sehen, als beruhigende Präsenz gegen das Gespenst des Terrorismus. „Operation Banner“, der Einsatz der britischen Armee in Unterstützung der nordirischen Polizei, endete jedoch am 31. Juli 2007, nach 38 Jahren. Heute gibt es eigentlich nur noch gelegentlich die (glücklicherweise weniger gefragten) Bombenräumkommandos der Armee an Einsatzstellen. Und die Kasernen sind teilweise aufgelöst, der Rest dient Ausbildungszwecken.

Für die innere Sicherheit ist seit über zehn Jahren allein der (allerdings bewaffnete) Police Service of Northern Ireland (PSNI) zuständig. Und auch im „Süden“, in der Republik Irland, sind die mit Sturmgewehren herumlungernden Soldaten selten im Straßenbild geworden. Sie begleiteten vor einigen Jahren noch routinemäßig Geldtransporte zu Bankfilialen, auch diese teure Tradition fiel dem Rotstift zum Opfer. Die Zahl der Überfälle stieg nicht unbedingt sprunghaft an. Kurzum, ob Nord oder Süd, Begegnungen mit dem Militär sind eher zufällig, und keineswegs nicht mehr wirklich dramatisch.

Tinker-Romantik

BIS WEIT INS 20. Jahrhundert hielt sich ein Bild, mit dem Irland sogar Touristen anlockte – herumziehende Menschen in bunt bemalten Pferdewagen, liebevoll (bis abwertend) Tinkers genannt, Kesselflicker. Der Inbegriff vom romantischen Irland Urlaub wurde dann der „Roma auf Zeit“, das totale Entschleunigen im „Zigeunerwagen“.

Dass die irischen Pavee (so die Selbstbezeichnung dieser Nomaden) nichts mit den Roma und der recht kostspielige Urlaub im Pferdecaravan wenig mit „umherziehenden Gaunern“ zu tun hatten, geschenkt. Und die Realität war schon immer anders. Die Nichtsesshaften waren allenfalls geduldete periphere Existenzen, die man als billige Arbeitskräfte anheuerte, denen man aber nicht so weit traute, wie man ihre Pferde werfen konnte.

In den letzten Jahrzehnten wurde ihnen sogar das Vorurteil der inhärenten Kriminalität angehängt. Ein Vorurteil, das zu bestätigen sich einzelne Mitglieder dieser Bevölkerungsgruppe unredliche Mühe geben. Trotz aller Initiativen und offiziellen Hilfsmaßnahmen, das Verhältnis zwischen den Sesshaften und den Herumziehenden (die dennoch oft über Jahrzehnte an derselben Stelle lagern) ist zerrüttet, man traut sich gegenseitig nicht über den Weg. Und was an einem Leben am Straßenrand, ohne Schulbildung, mit einer enorm verkürzten Lebensaussicht nun jemals „romantisch“ gewesen sein soll, das fragt sich der Betrachter wie mancher Betroffene.

Torffeuer

WAS DEM Irland Touristen und Freund oft der Inbegriff der Romantik, das ist dem Ökologen eher ein Dorn im Auge – das althergebrachte Torffeuer, mit dem Irlands nahezu einziger fossiler Brennstoff höchst uneffektiv verheizt wird. Zumal sein Abbau weite Flächen besonders der Midlands in ein grausamödes Gebiet ohne landschaftlichen Reiz, und ohne Aussicht auf baldige Genesung, verwandelt. Warum das alles? Teilweise schlicht, weil Torf da und billig war: Es gehörte auf dem Land zur Tradition, im Sommer in die „Bogs“ zu ziehen, Torf stechen, und das dann nach der Trocknung (im eher feuchten Irland ein relativer Begriff ) am heimischen Herd zu verbrennen.

Oft eher ein „Verglimmen“, mit viel Qualm und Rauch, aber wenig Wärme. Die um einige Prozente effektiveren Torfbriketts waren den Pfennigfuchsern schlicht zu kostspielig, langfristig eine Milchmädchenrechnung. Mittlerweile haben strenge Umweltauflagen dem ungezügelten Torfabbau Einhalt geboten. Und in den Städten dürfen offene Feuer oft gar nicht mehr betrieben werden. So ist das Torffeuer, und sein beißender, erdiger Geruch, langsam im Aussterben begriffen. Was vielleicht auch gut so ist.

Massenarmut

DIE GUTE NACHRICHT: Irland ist längst nicht mehr das Armenhaus Europas, selbst nach der Rückschlägen der 2008 über die Insel hereinbrechenden Wirtschaftskrise ist man von der einst verbreiteten Massenarmut weit entfernt. Hört sich allerdings nicht immer so an, denn die Iren, und die irischen Medien, haben das Jammern auf hohem Niveau schon lange zur Kunstform erhoben. Faktum ist jedoch, dass in Irland niemand verhungern muss, und dass ein menschenwürdiges Leben im Prinzip garantiert wird. Individuelle Interpretationen unbenommen. Und das Schlaraffenland des Celtic Tiger, das sei ganz klar gesagt, das ist schon lange wegen Überschuldung geschlossen.

Gewiss gibt es nach wie vor Probleme mit Wohnungsmangel und fehlenden Arbeitsplätzen, beides regional extrem unterschiedlich, und beides so vielschichtig, dass man nicht von einem Massenproblem reden kann. Liest man allerdings die irische Presse, klingt dies oft wesentlich dramatischer. Liegt mit daran, dass selbst die wildesten Geschichten selten hinterfragt werden, um die beredt Klagenden nicht noch durch investigativen Journalismus zu traumatisieren.

Und dass „Mutter von vier Kindern weint auf Straße“ eine gute Schlagzeile macht. Denn eines mögen fast alle Iren, nämlich die Rolle des Opfers. Da ändert auch das insgesamt gewachsene Selbstbewusstsein wenig, im Zweifelsfall sieht man sich immer als von den Behörden, den Briten, den Banken oder gar Angela Merkel persönlich gebeutelt.

„Witches‘ Knickers“ in den Hecken

EINE DER BESTEN Entscheidungen der irischen Regierungen des 21. Jahrhunderts war eine Sondersteuer – klingt widersinnig, ist aber langfristig der größte Segen für Umwelt und Ästhetik überhaupt gewesen. Gemeint ist die „Plastic Bag Levy“, mit der seit März 2002 15 Cent (ab 2007 sogar 22 Cent) für jede Plastiktüte gezahlt werden müssen, und zwar nicht an den Händler, sondern an Vater Staat.

Der Grund für diesen Griff in des Bürgers Portemonnaie? Bis dahin ließ sich jeder Ire auch für den kleinsten Einkauf eine Plastiktüte geben, diese sogar noch einmal in Plastiktüten verpacken, und zu Sicherheit noch eine ... was dann sorglos in die Landschaft gepfeffert wurde, und meist als wehendes Fähnchen die Hecken verunzierte.

Witches‘ Knickers nannte man diesen Wohlstandsmüll verniedlichend, als seien hier die Schlüpfer vorbeisausender Hexen hängen geblieben. Der Dreck war jedoch kein Mirakel aus der Anderswelt, sondern Gedankenlosigkeit einer verwöhnten Menschenmasse. Faszinierend: Unmittelbar nach Einführung der Sondersteuer ging der Verbrauch von Plastiktüten um 90% zurück. Und die Iren entdeckten die Mehrwegtasche und den Jutebeutel. Seitdem scheinen auch die Hexen besser über die Hecken zu kommen. Oder tragen keine Höschen mehr.

Beutelschneiderei im Einzelhandel

ES WAR EINMAL eine Zeit, da gab es in Irland viele kleine Geschäfte, nur wenige Supermärkte bescheidenen Zuschnitts in den Städten, und alles war gut. Dann kamen sie, die ausländischen Heuschrecken, Tesco vorne an, aber auch Lidl und Aldi, die germanischen Discounter-Berserker. Und zerschlugen nicht unbedingt die heile Welt, sondern ganz überraschend den fast als Preiskartell einzustufenden Status Quo im Einzelhandel. 

Und siehe, plötzlich sahen die Iren, dass ein billig hergestelltes Toastbrot an der Kasse nicht unbedingt mit Gold aufgewogen werden muss. Und so begab es sich dann auch, dass in den bislang hochpreisigen Läden unter irischer Führung ein Abwärtstrend zu verzeichnen war. Zumindest bei der Preisgestaltung, denn der Verbraucher war nicht mehr gewillt, sich ausnehmen zu lassen. Selbst der Dorfladen nimmt mittlerweile für die Alltagsdinge durchaus zivile Preise, und überlebt dennoch. Und von „Heuschrecken“ redet bei den großen Supermärkten keiner mehr, eher erzählt man stolz, wie viel man gespart hat.

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